Geburtstag

Jetzt bin ich schon 20. Hab ich nicht so schnell kommen sehen. Wie vielleicht ein paar von euch wissen, hatte ich am Samstag (5. März) meinen 20. Geburtstag. Weil das so schön auf den Samstag gefallen ist, habe ich alle anderen meine Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und all die andern deutschen Freiwilligen aus Samar eingeladen und ne dicke Party veranstaltet.

Weil knapp 30 Leute zugesagt haben, habe ich die Karaokebar von meinem Chef am Strand gemietet, wo wir dann essen, trinken, musik hören und tanzen konnten. War auch einiges an Planung: 10 Kästen Bier, 5 Flaschen Rum, 2kg Spaghetti, 3 dicke Thunfische (= ca. 8kg), 2kg Glasnudeln, 3kg Reis und noch mehr hab ich eingekauft und mit meiner Gastmutter am Samstag gekocht.

Die ersten Überraschungen kamen aber schon beim Einkaufen morgens: nichtsahnend hab ich unser Haus verlassen und wurde dann auf dem Weg zum Laden von Kindern und Nachbarn mit „Happy Birthday, Henning!“ begrüsst. Also ich hab denen nicht erzählt, dass ich bald Geburtstag hab, hab mich aber sehr gefreut. Selbst die Ladenbesitzerin hat mir gratuliert. Manchmal überrascht es einen immernoch, wie sehr die Leute hier übereinander bescheid wissen.

Nachdem die Sachen fertig gekocht waren, haben wir alles Essen in die Karaokebar annen Strand verfrachtet und gewartet, bis alle Gäste eintreffen. Um 18:00 haben wir dann angefangen zu essen, ein paar Leute sind dann noch schwimmen gegangen und die Bierflaschen haben geknallt (keine Korken, Sekt gibts hier nicht).

Es war ne super Feier und wir hatten echt Spaß miteinander. Hier mal ein Gruppenfoto von schon fortgeschrittener Stunde:

 

Einige Fotos kann man hier auch wirklich nicht hochladen :D. Die Leute haben sich dann zum pennen auf unser Haus und die Karaokebar verteilt und ich bin am nächsten Tag uum 7:00 mit nem brummenden Schädel aufgewacht. Unsere Gastmama hatte schon Brötchen gekauft und Kaffe gekocht (sie ist wirkliche ein Engel).

Als ich nach dem Frühstück zur Karaokebar gegangen bin, gab es einen Schreck. Nachts sind wohl Leute in die Bar gekommen und haben Sachen aus den Rucksäcken geklaut: 2 Kameras, 2 Handys, ein Mp3-Player und 3000 Peso (50Euro) haben gefehlt. Ich war echt schockiert, ich hätte nie gedacht, dass so etwas bei uns im Dorf passieren würde.

Wie ich vielleicht schonmal geschrieben hab, schliessen wir unser Haus nie ab, nur unsere Zimmer. Und auch sonst habe ich immer ein wirkliches sicheres Gefühl gehabt, beim Baden kann man sein Handy und Geld einfach am Strand lassen, da ist noch nie etwas weg gekommen. Aber da ist dann wirklich Nachts jemand reingegangen (abgeschliessen konnte man die Bar nicht, sie ist nur von einem Zaun umgeben), hat die Rucksäcke durchwühlt und die Sachen geklaut.

Nachdem wir sicher waren, dass die Sachen gefehlt haben, haben wir mit meinem Chef gesprochen und was danach kam, hat mich wirklich beeindruckt. Gleich wurde der Barangay-Captain angerufen. In den Phililppinen sind alle Städte und Dörfer in Barangays aufgeteilt, kleinere Regierungseinheiten sozusagen. Hernani besteht aus 4 Barangays, wir wohnen in Barangay 2. So gibt es dann sogar in jedem Barangay gewählte Barangay Officials, die sich um die Nachberschaft kümmern.

Das Problem ist wohl gewesen, dass ich auf der Party in meiner Schnapsgeselligkeit auch ein paar Jugendliche aus meiner Nachbarschaft eingeladen habe, die ich vom Sehen her kannte und vom Trubel angelockt worden sind. Mit dem Barangaycaptain und meinem Chef wurde dann eine Liste erstellt, von Leuten, die auf der Party anwesend waren, aber die ich nicht „wirklich“ eingeladen habe.

Innerhalb von 30 Minuten wurden dann all die Leute zusammengetrommelt und es gab eine Versammlung in der Barangayhall (ne Art Stadthalle in Miniformat). Unglaublich, wie ernst jeder unserer Nachbarn die Situation genommen hat, für alle war es eine große Scham, dass Besucher aus Deutschland bei uns beklaut worden sind.

Auf der Versammlung, bei der der Captain, eine Sekräterin, Simeon, ich und meine beklauten Freunde waren, wurde allen nochmal klargemacht, was passiert ist und was für eine Schande es für den Barangay ist (auch wenn wir Deutschen natürlich nicht so gedacht haben). Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass am Montag früh zur Polizei gehen würden, bis dahin hätten die Diebe (die eben unter den Jugendlichen vermutet wurden) Zeit, die Gegenstände zurückzugeben.

Ich hatte nicht wirklich Hoffnung, dass die Sachen wieder auftauchen würden. Wenn man schon so dreist ist, da rein zu gehen, die Rucksäcke aufzumachen (neben denen Leute geschlafen haben) und mit so vielen Sachen abzuhauen (der Wert von den Sachen war knapp 600 Euro…), gibt man die Sachen doch nicht einfach wieder her.

So verging dann der Nachmittag ereignislos, um 15:00 gab es dann nochmal eine Barangayversammlung, auf der nochmal betont wurde, wie ernst die Sache ist. Ohne große Hoffnungen sind wir dann pennen gegangen. Am nächsten Tag bin ich wieder recht früh aufgewacht und erstmal auf Klo gegangen. Als ich durch die Küche gehe, sagt unsere Gastmama, dass sie draußen eine Plastiktüte mit Sachen gefunden hat. Ich guck in die Plastiktüte und war platt. In der Tüte waren die Handys, die Kameras und der MP3-Player. Nur das Bargeld und die Simkarten fehlten, was aber zu verschmerzen war. Ich war echt überglücklich.

Echt verrückt, wie gut die Menschen sich hier kennen und wie wenig man voreinander geheim halten kann. Unter der Hand sind die Leute sich auch ziemlich sicher, wer es wohl gewesen war. Beweise gibt es aber nicht. Für uns ist die Sache auch gegessen, wenn die Sachen jetzt wieder zurück sind. Das starke Gemeinschaftsgefühl in diesem Dorf lässt mich immernoch staunen. Wenn in Deutschland dein Fahrrad geklaut wird, interessiert es höchstens deine nächsten Nachbarn und Freunde. Aber dass der ganze Stadtteil die Sache so ernst nimmt und anscheinend auch so ein grosser Druck entsteht, dass die Diebe die Sachen zurück geben, hat mich beeindruckt.

Wir hatten auf jeden Fall eine super Party und gottseidank noch ein Happy End. Von Simeon hab ich eine Badehose geschenkt gekriegt, von denen man hier einfach nicht genug haben kann J. Und ich hab mit Eileen, meiner Familie und sogar meiner Oma telefoniert! Das hat mich sehr gefreut. Auch wenn mich die Diebstähle wirklich etwas enttäuscht haben, haben sich alle Anderen so sehr um uns gekümmert, dass ich mich sehr wohl fühle.

Entschuldigt, dass der Eintrag so lang geworden ist, aber das musste mal alles beschrieben werden. Machts gut und lasst von euch hören!

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