Björn erzählt…

Da Henning wohl grade besseres zu tun hat als diesem Blog ein Update zu verpassen, werde ich die Lücke nutzen um meine Erlebnisse als Gast in Hernani hier zu verewigen.

Henning hat mich im Januar gefragt, ob ich nicht vorbei kommen wolle, er hätte Platz und Zeit und es wäre sicher ne tolle Zeit.

Und ich hab einfach Ja gesagt

Ich bin am 13. April um ca. 6°° Uhr morgens in Tacloban gelandet. Der Flughafen hat meine Erwartungen untertroffen, Er war ungefähr so groß wie ein 2 Familienhaus, man ist direkt auf der Landebahn ausgestiegen und neben seinem Gepäck zur Arrival Halle gegangen.

Ich war tierisch aufgeregt. Die einzige Sicherheit die ich hatte, allein unter Leuten die Englisch mittelprächtig sprechen, war Hennings Handynummer. Aber er war da: groß, braun, blond.

Die ganze Rückfahrt, vom Flughafen zum Van-Terminal, und von Tacloban letztendlich nach Hernani kam mir komplett irreal vor, ich war einfach noch nicht wirklich da, total übermüdet und dieses Land einfach zu tropisch und weit weg, als dass ich alles auf einmal begreifen konnte.

Hernani war klein und ländlich, so wie ich es mir vorgestellt habe. Viele Kinder und Hunde auf der Straße, Palmen,  Bambushütten überall. Meine Bleibe für die nächsten 3 Wochen war komfortabler als ich es mir vorgestellt hatte. Ich wusste ich musste auf einigen Kram verzichten, aber damit hatte ich kein Problem.

Nach einem Frühstück hab ich mich gegen Mittag von Henning doch noch breitschlagen lassen mich hinzulegen, ich war zu müde um müde zu sein. Henning hat in seinem Zimmer mein Bett eingerichtet: Matratze und Mückennetz.

Als ich aufgewacht bin war es dunkel,  ich dachte mitten in der Nacht. Tatsächlich war es ca. 8°° Uhr.

Da hab ich dann auch Simeon kennengelernt, Hennings Mitbewohner. Wir haben noch ein reichhaltiges Abendessen von unserer Gastmutter Mana Gloria bekommen, dann gings wieder ins Bett.

Ich hab es da schon kaum durchgehalten mein Reisetagebuch jeden Tag so detailliert zu beschreiben. Ich denke ich werde deshalb hier auch nur einige Höhepunkte meines Aufenthaltes zeigen.

Leider fing die schöne Zeit mit einer nicht so schönen Zeit an. Am Donnerstag Abend haben wir uns mit Bus nach Norden aufgemacht. Ziel war South Luzon und dort mit Walhaien zu schnorcheln.

Aber im Nachhinein war auch in diesem Fall der Weg das Ziel, denn 24 Stunden Fahrt pro Weg waren am Ende leider intensiver als 2 Stunden unentspanntes Schnorcheln mit einem Wahlhai und viel zu vielen Menschen.

Hennings Chef, den wir mal im Büro besucht haben, hat uns zu einem Karaokeabend eingeladen. Meine Liste (unvollständig):

House of the rising sun

und 6 Red Horse (vollständig)…

Der Tag danach war entsprechend…die ersten 2 Stunden wach konnte ich nicht laufen, ohne dass mich ein unwohles Gefühl überkam. Irgendwann hab ich es dann auf das Motorrad geschafft und wir sind nach Norden zu einem Wasserfall im Busch gefahren.

Henning hat mir auch seinen Surfspot gezeigt. Der Strand war einsam und einfach schön. Wir waren mit Simeon , Oujah (das ist mit Sicherheit falsch geschrieben) und Red Horse bis zum Sonnenuntergang da.

Da ich leider in Hernani nicht an ein Surfboard gekommen bin, hab ich Hennings Surfsessions meist vom Strand verfolgt und ein paar Fotos gemacht.

Ich habe viele schöne Tag und vor allem Abende auf dem geliebten Balkon verbacht.

Großartig war auch, dass unsere Gasteltern ab Ostersamstag für 1,5 Wochen nach Manila geflogen sind, wir somit sturmfrei hatten und uns in der Küche richig austoben konnten. Vor allem unsere Monsterportion Chili war der Hammer: den größten Topf und alles rein was rot ist und schmeckt.

Essen war bei uns allgemein eine ernstzunehmende Sachen, man sitzt am Tisch, schaufelt Reis und diverse Hauptspeisen in sich rein und schwitzt unheimlich, man isst bis man nicht mehr kann. Deshalb hat unser Chili-Eimer leider auch nur 3 Mahlzeiten überstanden.

Henning hat sich hier oben auch ungewöhnlich schick gemacht, normalerweise trägt man im Haus so wenig wie möglich (= Badehose)

Einen der schönsten Abende dort hatte ich auf jeden Fall auf Dio Island, einer winzigen Insel, 20 Minuten vor der Küste Eastern Samars. Die Insel war bei Flut vielleicht etwas größer als ein Tennisplatz, ca. 30 Meter lang und 10 Meter breit. Dio Island bestand im Ganzen aus einem kleinen Sandstrand und einem großen Felsen, hinter dem mäßgig windgeschützt eine zweistöckige Hütte stand.

Wir haben uns von einem Fischer mit seinem Boot für Benzin und Trinkgeld hinbrigen lassen

Wir haben uns am Hafenmarkt vorher noch einen fetten Tuhnfisch gekauft und natürlich Reis. Oujah hat den Fisch dann vorgewürzt und im Ganzen auf den Grill im 1. Stock gelegt. Der Grill war eine kleine Kuhle im Felsen, auf die ein Kühlschrankrost gelegt war.

Gegessen haben wir von Plastikfolie, Teller hatte niemand mitgenommen und Bananenblätter gabs auf der Insel nicht. Aber dafür einen richtig schönen Sonnenuntergang

Abends haben wir am Strand noch ein Lagerfeuer gemacht, der Fischer hatte uns extra noch Diesel dagelassen. Der ist natürlich sofort lichterloh abgebrannt, nur Feuer hatten wir davon nur für 2 Minuten. Also wieder kleine Stöckchen suchen und das ganze ordentlich machen. Beim Lagerfeuer gabs Rum und Gruselgeschichten aus Hernani.

Für die Nacht haben wir uns oben ausgebreitet und sind neben unserm Grillfeuer eingeschlafen

Die Nacht dort war dann leider relativ unentspannt, ich hatte nur 2 Handtücher, eins für drüber, eins für drunter, und beide zu kurz. Ich bin auch ziemlich oft aufgewacht, weil der Wind mir mein Deckchen weggeweht hat. Henning hat sich die Nacht zwischen Boden und Hängematte aufgeteilt, am Morgen war er ziemlich fertig wegen seinen Ohrenschmerzen. Hier schonmal mein Schlafplatz ( in der Bildmitte / rot) :

Hier nochmal die komplette obere Etage. Links ragt der Fels direkt in die Hütte, da befand sich auch unser Grill. Henning hat noch geschlafen…

Der Fischer hat uns mittags wieder abgeholt und zurück aufs Festland gebracht.

Henning hat mich auch mal mit mir eine kleine Bergtour gemacht, mit unserm Motorrad. Die Strecke war schön aber steinig, eigentlich hab ich damit gerechnet dass wir mindestens einmal hinfallen und ich meine Kamera und/oder Füße einbüßen muss, da ich nur Flipflops hatte..

Man sieht, dass ist hier mehr ein kleines Hernani-Bilderbuch, da Henning ja eher selten dazu kommt Bilder hochzuladen.

Hier also nochmal ein paar Henning-Bilder:

Henning und ein Carabao-Junges (Wasserbüffel)

Henning auf seinem Arbeitsplatz (ein seltenes Bild..)

Als kleines Gastgeschenk hab ich der Familie Schokolade mitgebracht, und als kleines Mitbringsel für uns noch beste deutsche Spirituosen

Vor meiner Abreise haben wir noch eine Nacht bei den Freiwilligen bei Tacloban verbracht. Wir sind vorher in ein kleines Dorf weiter nördlich gefahren, wo es schöne Sundangs geben sollte, die Buschmachete, die dort hauptsächlich für die Kokosnussernte, Küchearbeiten und den Selbstschutz benutzt wird.

Nach einem erfolgreichen Einkaufsbummel waren wir noch schön beim Mexikaner essen in Tacloban. Danach haben wir meinen letzten Abend gemütlich mit den andern Freiwilligen ausklingen lassen. Hier im Bild: Fabian

Und nochmal ein bisschen Henning und diverses:

Ich hatte drei tolle Wochen in Hernani und Umgebung und bin froh dass alles ohne weiteres so super geklappt hat.

Naja die Messer haben sie mir alle am Flughafen abgenommen (und Nein ich hatte die natürlich nicht im Handgepäck). Das hat mich auch ziemlich geärgert, weil ich mich extra vorher informiert hab, und auf der Emirates Internetseite am selben Tag noch nichts von deren neuen Regelungen stand, dass sie seit kurzem keine spitzen Gegenstände im Checked-In Gepäck mehr erlauben… aber was solls 😉

Ich hoffe ich konnte nochmal einen kleinen Einblick in Hennings Leben in Hernani geben.

Björn

Advertisements

Keine Sorge…

Die meisten von euch haben wahrscheinlich vom starken Beben und anschliessenden Tsunami in Japan gehört. Ich kann euch erstmal beruhigen. Obwohl Japan nicht so weit weg ist (ca. 3000km), wurden die Philippinen nicht getroffen und auch von dem zerstörten Atomkraft geht keine Gefahrt für uns aus.
Aber ich fang erstmal am Anfang an. Am Freitag Nachmittag ist der Mentor unserer Organisation zu Besuch gekommen, um mal ein bisschen mit uns und unserem Chef zu reden. Kein besonderer Anlass, höchstens um zu sehen, ob ich ein neues Projekt anfangen sollte, weil das Internetprojekt unter mangelnden Finanzen leidet. Und weil man solche Treffen hier immer gerne gemütlich veranstaltet, haben wir zwei Kisten Bier geholt und uns in die Karaokebar von Mano Fidel (mein Chef) gesetzt. Kurz nach dem zweiten Bier, um knapp 15:00 kamen dann die ersten SMS über eine Tsunamiwarnung für die Philippinen nach einem Erdbeben bei Japan. Erst kam es von Freunden, dann gab es auch Meldungen vom „Risk Managment Team“ unserer Organisation. Als klar wurde, dass es nicht nur ein SMS-Scherz war (hat es auch schon einmal gegeben), hat jeder sein Bier ausgetrunken und ist nach Hause gegangen, wo wir dann auf eine mögliche Evakuation in höheres Gebiet gewartet haben.
Ich hab dann auch einen Rucksack gepackt mit Sachen, die ich gerne bei mir hätte, würde tatsächlich eine Flutwelle kommen. Schon eine merkwürdige Sache, wenn die Möglichkeit besteht, dass man seine ganzen Sachen (vielleicht sogar sein Haus) zum letzten Mal sieht. Wahrscheinlich hab ich die Warnung dann aber nur ernster genommen, als sie wirklich zu sehen war. Aber wenn ein Tsunami die Ostküste der Philippinen treffen würde, stünden die Chancen um unser Haus wirklich schlecht, wir wohnen vielleicht 300m von der Hochwasserlinie entfernt, mit nur einer kleinen Erhöhung zwischen uns und dem Meer.
So haben wir dann zuhause gewartet, bis um 17:00 die Alarmstufe II ausgerufen wurde, dass heißt Evakuierung in höheres Gelände. Wir sind dann mit Motorrad in hoeheres Gelaende gefahren und sind in ner Grundschule untergekommen. Das doofe war, dass es auch richtig stark am regnen war. Und weil Simeon schon ziemlich einen im Tee hatte, musste ich die drei Touren fahren bis wir Freiwilligen und unsere Gastfamilie alle oben waren. Wir hatten nämlich auch Besuch von zwei anderen Freiwilligen, die zum Surfen übers Wochenende vorbei gekommen sind.
Die Schule war dann ca. 5km vom Meer entfernt und auf 30m über dem Meeresspiegel schätze ich. Wir sind im Klassenzimmer unserer Gastmutter untergekommen, wo wir fast alleine waren und uns einigermassen gemütlich einrichten konnten. So wie es dann hier läuft, wurd erstmal wieder eine Kiste Bier geholt und gewartet, was tatsächlich passiert. Immerwieder hat man Updates per SMS gekriegt.
Und so wurde dann gegen 22:00 auch Entwarnung von unserer Organisation gegeben. Es habe wohl drei „Wellen“ gegeben, keine höher als 50cm. Weil Flutwellen schnell sind, konnte man davon ausgehen, dass die Welle spätestens 7 Stunden nach dem Beben kommen würde. So konnten wir dann sogar wieder nach Hause fahren und im eigenen Bett schlafen.
Wir sind am nächsten Morgen früh surfen gegangen, aber ich konnte keine wirkliche Unterschiede ausmachen, selbst der unmittelbare Strand war unverändert. Ich bin aber trotzdem froh, dass wir evakuiert haben. Better safe than sorry.
Also braucht ihr euch auch bei zukünftigen Tsunamiwarnungen für Asien keine Sorgen um mich machen, man kümmert sich hier gut um mich. Die drohende Gefahr durch die Kernschmelze (ist der Reaktor eigentlich schon geschmolzen? Solche Details krieg ich hier garnicht so mit.) ist durch den zu erwartenden Wind für die nächsten Monate gebannt. So jedenfalls die Voraussagen.
Abgesehen von den Katastrophenwarnungen hat es die letzten Tage wieder recht viel geregnet. Das sollte aber auch bald vorbei sein. Spätestens wenn Björn in zwei Wochen kommt. Darauf freue ich mich schon!

Geburtstag

Jetzt bin ich schon 20. Hab ich nicht so schnell kommen sehen. Wie vielleicht ein paar von euch wissen, hatte ich am Samstag (5. März) meinen 20. Geburtstag. Weil das so schön auf den Samstag gefallen ist, habe ich alle anderen meine Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und all die andern deutschen Freiwilligen aus Samar eingeladen und ne dicke Party veranstaltet.

Weil knapp 30 Leute zugesagt haben, habe ich die Karaokebar von meinem Chef am Strand gemietet, wo wir dann essen, trinken, musik hören und tanzen konnten. War auch einiges an Planung: 10 Kästen Bier, 5 Flaschen Rum, 2kg Spaghetti, 3 dicke Thunfische (= ca. 8kg), 2kg Glasnudeln, 3kg Reis und noch mehr hab ich eingekauft und mit meiner Gastmutter am Samstag gekocht.

Die ersten Überraschungen kamen aber schon beim Einkaufen morgens: nichtsahnend hab ich unser Haus verlassen und wurde dann auf dem Weg zum Laden von Kindern und Nachbarn mit „Happy Birthday, Henning!“ begrüsst. Also ich hab denen nicht erzählt, dass ich bald Geburtstag hab, hab mich aber sehr gefreut. Selbst die Ladenbesitzerin hat mir gratuliert. Manchmal überrascht es einen immernoch, wie sehr die Leute hier übereinander bescheid wissen.

Nachdem die Sachen fertig gekocht waren, haben wir alles Essen in die Karaokebar annen Strand verfrachtet und gewartet, bis alle Gäste eintreffen. Um 18:00 haben wir dann angefangen zu essen, ein paar Leute sind dann noch schwimmen gegangen und die Bierflaschen haben geknallt (keine Korken, Sekt gibts hier nicht).

Es war ne super Feier und wir hatten echt Spaß miteinander. Hier mal ein Gruppenfoto von schon fortgeschrittener Stunde:

 

Einige Fotos kann man hier auch wirklich nicht hochladen :D. Die Leute haben sich dann zum pennen auf unser Haus und die Karaokebar verteilt und ich bin am nächsten Tag uum 7:00 mit nem brummenden Schädel aufgewacht. Unsere Gastmama hatte schon Brötchen gekauft und Kaffe gekocht (sie ist wirkliche ein Engel).

Als ich nach dem Frühstück zur Karaokebar gegangen bin, gab es einen Schreck. Nachts sind wohl Leute in die Bar gekommen und haben Sachen aus den Rucksäcken geklaut: 2 Kameras, 2 Handys, ein Mp3-Player und 3000 Peso (50Euro) haben gefehlt. Ich war echt schockiert, ich hätte nie gedacht, dass so etwas bei uns im Dorf passieren würde.

Wie ich vielleicht schonmal geschrieben hab, schliessen wir unser Haus nie ab, nur unsere Zimmer. Und auch sonst habe ich immer ein wirkliches sicheres Gefühl gehabt, beim Baden kann man sein Handy und Geld einfach am Strand lassen, da ist noch nie etwas weg gekommen. Aber da ist dann wirklich Nachts jemand reingegangen (abgeschliessen konnte man die Bar nicht, sie ist nur von einem Zaun umgeben), hat die Rucksäcke durchwühlt und die Sachen geklaut.

Nachdem wir sicher waren, dass die Sachen gefehlt haben, haben wir mit meinem Chef gesprochen und was danach kam, hat mich wirklich beeindruckt. Gleich wurde der Barangay-Captain angerufen. In den Phililppinen sind alle Städte und Dörfer in Barangays aufgeteilt, kleinere Regierungseinheiten sozusagen. Hernani besteht aus 4 Barangays, wir wohnen in Barangay 2. So gibt es dann sogar in jedem Barangay gewählte Barangay Officials, die sich um die Nachberschaft kümmern.

Das Problem ist wohl gewesen, dass ich auf der Party in meiner Schnapsgeselligkeit auch ein paar Jugendliche aus meiner Nachbarschaft eingeladen habe, die ich vom Sehen her kannte und vom Trubel angelockt worden sind. Mit dem Barangaycaptain und meinem Chef wurde dann eine Liste erstellt, von Leuten, die auf der Party anwesend waren, aber die ich nicht „wirklich“ eingeladen habe.

Innerhalb von 30 Minuten wurden dann all die Leute zusammengetrommelt und es gab eine Versammlung in der Barangayhall (ne Art Stadthalle in Miniformat). Unglaublich, wie ernst jeder unserer Nachbarn die Situation genommen hat, für alle war es eine große Scham, dass Besucher aus Deutschland bei uns beklaut worden sind.

Auf der Versammlung, bei der der Captain, eine Sekräterin, Simeon, ich und meine beklauten Freunde waren, wurde allen nochmal klargemacht, was passiert ist und was für eine Schande es für den Barangay ist (auch wenn wir Deutschen natürlich nicht so gedacht haben). Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass am Montag früh zur Polizei gehen würden, bis dahin hätten die Diebe (die eben unter den Jugendlichen vermutet wurden) Zeit, die Gegenstände zurückzugeben.

Ich hatte nicht wirklich Hoffnung, dass die Sachen wieder auftauchen würden. Wenn man schon so dreist ist, da rein zu gehen, die Rucksäcke aufzumachen (neben denen Leute geschlafen haben) und mit so vielen Sachen abzuhauen (der Wert von den Sachen war knapp 600 Euro…), gibt man die Sachen doch nicht einfach wieder her.

So verging dann der Nachmittag ereignislos, um 15:00 gab es dann nochmal eine Barangayversammlung, auf der nochmal betont wurde, wie ernst die Sache ist. Ohne große Hoffnungen sind wir dann pennen gegangen. Am nächsten Tag bin ich wieder recht früh aufgewacht und erstmal auf Klo gegangen. Als ich durch die Küche gehe, sagt unsere Gastmama, dass sie draußen eine Plastiktüte mit Sachen gefunden hat. Ich guck in die Plastiktüte und war platt. In der Tüte waren die Handys, die Kameras und der MP3-Player. Nur das Bargeld und die Simkarten fehlten, was aber zu verschmerzen war. Ich war echt überglücklich.

Echt verrückt, wie gut die Menschen sich hier kennen und wie wenig man voreinander geheim halten kann. Unter der Hand sind die Leute sich auch ziemlich sicher, wer es wohl gewesen war. Beweise gibt es aber nicht. Für uns ist die Sache auch gegessen, wenn die Sachen jetzt wieder zurück sind. Das starke Gemeinschaftsgefühl in diesem Dorf lässt mich immernoch staunen. Wenn in Deutschland dein Fahrrad geklaut wird, interessiert es höchstens deine nächsten Nachbarn und Freunde. Aber dass der ganze Stadtteil die Sache so ernst nimmt und anscheinend auch so ein grosser Druck entsteht, dass die Diebe die Sachen zurück geben, hat mich beeindruckt.

Wir hatten auf jeden Fall eine super Party und gottseidank noch ein Happy End. Von Simeon hab ich eine Badehose geschenkt gekriegt, von denen man hier einfach nicht genug haben kann J. Und ich hab mit Eileen, meiner Familie und sogar meiner Oma telefoniert! Das hat mich sehr gefreut. Auch wenn mich die Diebstähle wirklich etwas enttäuscht haben, haben sich alle Anderen so sehr um uns gekümmert, dass ich mich sehr wohl fühle.

Entschuldigt, dass der Eintrag so lang geworden ist, aber das musste mal alles beschrieben werden. Machts gut und lasst von euch hören!

Lang Lang ists her…

Immer ein schlechtes Zeichen, wenn ein Blogeintrag so anfaengt. Jetzt ist es aber schon fast einen Monat her, dass ich ein Update aufm Blog gebracht habe. Liegt wohl daran, dass ich

A)     nicht mehr so viel ans Internet komme in letzter Zeit

B)      recht viel zu tun hab, wenn auch nicht unbedingt auf der Arbeit, dann drumherum und

C)      ich langsam anfange mich richtig einzuleben, also manchmal garnicht den Kopf habe zu ueberlegen, was denn jetzt mein naechster Blogeintrag sein koennte.

Ich hoffe mal, dass ihr das nachvollziehen koennt ;). Ansonsten geht das Leben hier seinen ueblichen Lauf. Unter der Woche arbeiten, lesen und surfen (falls die flut nach oder vor der Arbeit ist) und SMS schreiben. Hab ich schon erzaehlt, dass Leute hier ohne ende SMS schreiben? Mit meinem Handy, dass ich seit knapp zwei Monaten habe, habe ich 458 SMS verschickt und 667 empfangen. Im  krieg also mindestens 10 SMS pro Tag, wobei das wohl eher noch unter dem philippinischem Durchschnitt liegt. Das liegt wohl vor allem daran, das seine sms nur einen peso (=2 eurocent) kostet. So kriegt man denn auch mal Nachrichten wo einfach nur “Good Night”, “Happy Lunchtime” oder “Happy Rainy Day” drin steht.

Ansonsten zeigt sich das Wetter etwas milder mittlerweile. Grade die letzte Woche schien fast die ganze Zeit die Sonne. Erst am Sonntag hat es dann wieder den ganzen Tag geregnet.

Vor drei Wochen war dann auch noch die Town-Anniversary (also Dorfjubilaeum), zu dessen Anlass e seine Parade durchs Dorf und ein Abendprogramm gab. Vorm Abendprogramm gruselte es mich ein bisschen – ich war mir ziemlich sicher, dass ich wieder Amenudo (den traditionellen Tanz von hier) mitten auf dem Platz vor knapp 250 Leuten auffuehren muesste. Alleine, nur mit einer Partnerin. War dann aber nach ein paar Bieren (zu denen mich mein Chef immer draengt :P) nur halb so schlimm. Irgendwo muesste es auch noch Fotos davon geben, mal gucken ob ich da ran komme. Danach gabs dann noch mehr Bier, Essen und noch mehr Tanzen (Juhu.). Die Leute freuen sich aber einfach so sehr, wenn man beim Tanzen mitmacht, manchmal wird man noch Wochen danach darauf angesprochen.

Was hab ich noch so die letzte Zeit gemacht?

Gerade letzte Woche habe ich mir zwei Tage frei genommen und bin wieder nach Calicoan Island, an einen guten Surfspot gefahren. Das ist der gleiche Strand wie aus dem Eintrag “Weekend on da Beach”. Aehnlich wie im Oktober hab ich wieder jede Menge Brot, Bananen und 10l Wasser eingepackt um von Donnerstag frueh bis Sonntag aushalten zu koennen. Es hat echt wieder richtig Spass gemacht, auch wenn einem Nachts manchmal etwas einsam werden kann, aber tagsueber hab ich immer viel Spass beim Surfen und mit den anderen Surfern aus dem nahegelegenen Dorf. Die Wellen und das Wetter waren super, bis Samstag Abend, als ein Sturm angerollt kam. Die ganze Nacht hats geregnet und gestuermt, teilweise war so doller Wind, dass die spaerrliche Bambushuette, in der ich gepennt hab, richtig gewackelt hat. Ist gottseidank aber nicht eingekracht, auch wenn mir durch den Wind so kalt war, dass ich nachts in meine Surfboardtasche gekrochen bin :D. Am Sonntagmorgen bin ich dann um 8:00 abgezogen, als der Sturm einfach nicht nachlassen wollte. Der Wind war so stark, dass ich kaum mein Surfboard festhalten konnte. Bin dann aber nach 4 Stunden Jeepneyfahrt wieder gut zuhause angekommen, wo mich unsere Gastmama Mana Gloria erstmal wieder mit ihrem guten, gehaltvollen Essen aufgepeppelt hat. Letztens hat sie zugegeben, dass es ihr Ziel ist, Simeon und mich fettzufuettern: “You are so tall and thin when you come here, you have to be wide too!”

Mal sehen wie das (bzw. ich) aussieht, wenn ich wieder nach Deutschland komme.

Fun Facts: Viecher

Hier mal eine Hitlist, der Viecher die zu Hause rumkrabbeln. Sortiert nach Nervigkeit.

1. Ratte

2. Ameisen

3. Kakerlaken

4. Sehr grosse Spinnen

5. Huehner

Das ist so das meiste, was bei euns kreucht und fleucht. Aber auch nicht allzu viel. Man muss nur aufpassen, dass man kein Essen im Zimmer hat. Sonst ist das am Naechsten Tag weg (Ratte) oder voll mit Ameisen. Die Kakerlaken leben gottseidank nur im Bad 🙂

Ein paar Fotos

von meinem letzten Wochenende. Nach langer Zeit nur mit Regen, hat die Sonne entschieden die Wochenendschicht zu uebernehmen und schien die letzten zwei Wochenenden ununterbrochen :). Und weil ihr meinen Lieblingsstrand (und auch surfspot) noch nicht kennt, hier mal ein paar Bilder aus Nagaja:

Da laeuft noch ein schoener kleiner Fluss durch den Strand ins Meer, was einem schoenes Suesswasser liefert.

Lecker Bananen. Davon ess ich viele im Moment. Und weil ich euch ja nicht neidisch machen will, erzaehl ich auch nicht, dass der Strand nur 15min zu Fuss von mir zu Hause weg ist.

Happy New Year!

So wurd man hier schon ab dem 25. Dezember begruesst. Mittlerweile ist es ja soweit, 2011 ist angebrochen.Obwohl offiziell keine Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr sind (ausser dem 30.12), war kaum was im Buero los und ich hab die Nachweihnachtstage bei uns zuhause in der Haengematte verbracht. Weil unsere Gastfamilie in Manila ihren Sohn besucht haben, waren Simeon und ich allein zu Haus.

Hab ich schon erzaehlt, dass im moment Regenzeit ist? Das merkt man daran, dass es nachts kalt wird (heute morgen haben ich gefroren, da warens nur 19 grad!) und es regnet. Viel regnet. Im moment fuehlt es sich so an, als ob es seit zwei Wochen nicht aufgehoert haette zu regnen, sicher ist, dass es die letzten drei Tage so gut wie durchgeregnet hat. Naja, immerhin ist das Dach ueber meinem Zimmer dicht, was man von unserm Wohnzimmer nicht sagen kann.

Leider macht schwimmen beim Regen nicht so viel Spass und Surfen kann man wegen dem starken Wind auch nicht richtig. Stattdessen lieg ich in der Haengematte, lese (seit Weihnachten hab ich 4 Buecher durchgelesen) und ess Bananen, Mangos, Schokoriegel oder was sonst so da ist.

Unser Neujahr haben Simeon und ich in Borongan verbracht, eingeladen von Father Ryan, einem Priester der gut mit einem unserer Freunde aus Hernani bekannt ist. Wir sind also am 31. mitm Jeepney nach Norden, in die grosse Stadt (30.000 Einwohner) gefahren. Da konnte ich dann erstmal Feuerwerk kaufen. Und wie! Wie schoen es doch ist in Asien zu leben. Fuer stolze 8 Euro, hab ich seehr viel Feuerwerk gekauft. Bei einigen Sachen hatte ich ueberhaupt keine Ahnung was die machen sollten, aber wenns nur 20 cent kostet, immer man her damit  :).

Voll beladen mit Feuerwerk sind Simeon und ich dann weiter nach Maypandang, ein kleines Dorf im Bezirk von Borongan  gefahren, wo Father Ryan arbeitet und lebt. Erst gab es Abendbrot, dann einen Gottesdienst (von 9:00 bis 10:30) und gegen 12:00 wurden dann die Boeller ausgepackt. Wie ich dann gemerkt hab, verblichen meine Sachen gegen die von Father Ryan :D. Hier ein Bild von mir und dem dicksten Ding: 

JUDAS BELL. So eine Art Ladykracher aus D-Boellern, mit stolzen 5000 Schuss. Ausgerollt war das Viech mehr als 10m lang! Verdammt laut und verdammt unsicher, weils immer mal fuer ne Minute gestoppt hat und dann weitergemacht hat, hehe. Aber auch meine Sachen haben mich nicht enttaeuscht, verdammt laut waren die Whistle Bombs, nach dem Anzuenden hatte man knapp ne Sekunde lang Zeit seine Pfoten wegzuziehen, dann pfiff es kurz und es gab nen megafetten Knall, was einem die Ohren klingen laesst. Es gab auch andere Dinger, die einfach nur total Laut waren, sowas hab ich noch nie in Deutschland gehoert :D.Genug von Boellern geschwaermt.

Am 1. Januar gab es noch eine Weihnachtsfeier der Gemeinde. War auch ne lustige Sache, es gab richtig viel richtig gutes Essen. Ich glaub ich war noch nie so vollgefressen, wie an dem Abend. Danach gab es dann wieder das obligatorische Red Horse (Starkbier) und Gin. Wer meinte nochmal Katholiken saufen viel :P? War ein lustiger Abend, hier ein Foto von Simeon, Father Ryan und mir: 

Man sieht auch das leckere Essen: Paella, Huhn mit Rosmarin, Beefstew und Spaghetti.Irgendwie hab ich dann spaeter am Abend lustige Lieder gesungen und auch noch getanzt. Keine Ahnung, wie die Filipinos mich immer dazu ueberreden koennen…Das war unser Neujahr. Seit dem 3.1.2011 bin ich wieder auf der Arbeit, tueftle im Moment weiter an WLAN Problem rum und hoffe, dass das Geld fuer das Satelliteninternet freigegeben wird.